Kniggeregeln für Batman und Robin
Gestern, früher Abend, keine Lust mehr aufs Büro - Zeit für einen Feierabend Drink. Große Hotelbar, eher ruhig. Der Pianist sorgt für angenehme Unterhaltung, der Barchef wie immer Bartender aus Leidenschaft mit Liebe zur Profession. Zum Erfrischen und Durst löschen Cynar mit Tonic, dann Bourbon, als Manhattan und Sour - wie immer erstklassig. Zwei Herren betreten die ruhige Bar und nehmen zielstrebig an Tresen platz. Sofort suchen Sie den Kontakt zum Barchef. Er, Profi wie immer, begrüßt freundlich mit Namen, die Herren sind bekannt. Recht schnell ist unfreiwillig mitzuhören, das die Herren von der Industrie sind. Abgesandte eines sehr großen Spirituosenkonzerns, Namen tun nichts zur Sache, nennen wir Sie Batmann und Robin. Sie eröffnen ein Gespräch und gehen gleich Volley das Sortiment der Bar durch. Habt Ihr gar nicht xxx? Können wir da nicht was machen ? Wieso macht Ihr den mit denen was?
Der Bartender, stets Profi, bleibt freundlich und gelassen. Als man Ihn endlich zu Wort kommen läßt - nüchterne Frage: “Haben die Herren einen Wunsch?”. Gestammel auf der Gegenseite. “Naja .. ein Wasser vielleicht” - sagt Batman. Robin bestellt “ich nehm ne Sprite…”. Man versucht eine Mischung aus Scherz und “muss ja noch Fahren” um diese Bestellung zu rechtfertigen.
Danach erneute Attacke auf den Bartender. Ja nicht aufhören zu reden - So verbietet es die Höflichkeit unserem Bar Profi, die Herren mit Ihrer Sprite und Ihrem Wasser allein zu lassen.
Nach knapp 15 Minuten ist das Schauspiel schlechten Benehmens vorbei. Batman und Robin zupfen an Ihren schwarzen Jackets und Fragen nach der Rechnung. “Gehts aufs Haus” - innerlich verneige ich mich vor dem Bartender - BRAVO - hätte ich auch so gemacht. Das Duo nimmt die Einladung selbstverständlich sofort an. Die Manschettenknöpe und die Breitling werden noch kurz einmal zurechtgerückt - sitzt auch alles? - Batman und Robin ziehen weiter - in die nächste Bar - Bartendern Zeit stehlen und sie mit belanglosem Gerede von Ihrer Arbeit abzuhalten: Alkohol an zahlende Kundschaft zu verkaufen und gute Gastgeber zu sein.
Knigge Regeln für Batman und Robin:
- Wenn Sie Business machen wollen, machen Sie einen Termin, laden den Bartender zum Business Lunch ein, besprechen was zu besprechen ist, zahlen die Rechnung und gut ist.
- Wenn Sie zu Öffnungszeiten eine Bar betreten, dann bitte mit der Absicht kein Business mit der Bar zu machen. Bekanntschaften pflegen oder machen - ja gerne. Sie können kommen, meinetwegen auch ein Wasser trinken, und sich unterhalten.
- Hands aufs Herz - Wenn Sie Alkohol verkaufen wollen, sollten Sie meiner Meinung nach allein schon der Authenzität wegen Abends in einer Bar auch Alkohol bestellen. Wenn Sie Alkopops im Supermarkt an Jugendliche verkaufen wollen, können Sie gern anders vorgehen - da haben Sie doch viel Erfahrung, oder?
Eine Bar, der Gralsort kultivierten Trinkens, sollte von Ihnen auch so behandelt werden. Warum wollen Sie sonst Ihre Produkte hier stehen sehen? Beweisen Sie Trinkkultur. Jeder wird verstehen, das Sie nicht den ganzen Abend über harten Alkohl trinken können - wie wäre es mit einem Wermut, einem Sherry, einem Port? Haben Sie nicht im Portfolio? Noch besser, können Sie ganz beruhigt mal was anständiges trinken. Trinken Sie einen Port, wenn Sie drei Bars am Abend besuchen wollen, nehmen Sie ein Taxi. Hamburg zumindest ist was Bar Hopping angeht, eher überschaubar. Die Taxi Kosten zahlt die Company nicht? Wie bitte? Mußte ich nicht gerade unfreiwillig mit anhören, wie großartig Ihre Firma und die Produkte sind? Ihre Budget reicht nichtmal für ein Taxi?
- Stellen Sie sich vor, Sie stehen hinter der Bar, vor Ihnen sitzen Ihr 10 wichtigsten Bartender, heute als Gast. Einer Ihrer Zulieferer betritt den Raum und fängt an vor Ihren Kunden über Ihr Geschäftsgebaren, Ihre Verträge, Ihre Produkte zu reden und diese in Frage zu stellen - Unangenehm oder? - Das Gleiche machen Sie aber jeden Abend, wenn Sie Bartendern in Ihrer Bar Ihren Marketing Mist erzählen wollen. Neben mir sassen noch andere Gäste in der Bar - was glauben Sie, wie Ihre Schmierenkomödioe auf die gewirkt hat?
Wenn ein Staubsaugervertreter plötzlich seine “Verkaufsaktion” in meiner Bar durchführt, erteile ich Ihm Hausverbot. Warum schlecht erzogenen Vertreter der Spirituosenindustrie geleiches tun dürfen und eine Art Narrenfreiheit besitzen, ist mir unbegreiflich. Meine Empfehlung an Bartender: Rausschmeissen und beim Vorgesetzten beschweren!
- Entspannen Sie sich! Auch andere Mütter haben schöne Töchter, weiss schon der Volksmund. Alle Großen Spirituosenhäuser haben einige echte Bartender-Lieblinge im Programm, viel Mittelmass und selbstverständlich auch Mist, der in keiner guten Bar stehen sollte. Sie sprechen hier mit Bartendern, Menschen, die den ganzen Tag nichts anderes machen als sich mit Alkohol auseinanderzusetzen. Wollen Sie denen wirklich einen Bären aufbinden? Hören Sie auf über Ihre Brands zu reden. Und wenn sie sich beliebt machen wollen, sozusagen das Eis brechen möchten, ordern Sie doch mal einen Longdrink mit der Premium Spirituose des Mitbewerbers. Der FMCG Markt ist ein schneller. Wer weiss ob der heute schlecht geredete Mitbewerber-Brand nicht morgen in Ihrem Portfolio steht. Möglich ist alles.
Ich bitte nicht nur Batman und Robin, sondern eine Teil der geschätzten Spirituosenindustrie um freundliche Beachtung.
Das es hier auch eine Menge Profis gibt, die solches Reglement nicht benötigen ist klar, einigen kann es nicht schaden!
Nach dem frustrierenden Abend gestern kann ich nicht umhin für “Le Lion” schon mal eine kleine Hausregel auszugeben:
Hausregelnummer 1:
Vertreter aller Spirituosenfirmen und “Artverwandte” sind herzlich willkommen - Wer uns während unserer Öffnungszeiten, sozusagen im Barbetrieb, ein Verkaufsgespräch oder ähnliches in der Bar aufschwatzen will, sollte damit rechnen, vor die Tür gesetzt zu werden.
Falls Kollegen hier nennenswerte Verfehlungen “los werde wollen”, freue ich mich auf rege Kommentare - aber immer schön an den “Kommentar Schreiber Knigge” denken.
Text: Jörg Meyer

Na sowas…
Ich muß gestehen das ich mich manchmal wohl auch etwas hinreißen lasse…
Aber ich hoffe einen ganz so schlechten Eindruck hinterlasse ich dann doch nicht.
Wenigstens trink’ ich immer schön brav Alkohol… zumindest solange es geht.
Netter Bericht
Gruß aus Pforzheim
Matthias
auf den punkt gebracht!!!
einige herren der industrie sollten wirklich mal ihre hausaufgaben machen.
es geht immer um sympatien, weniger um minimale unterschiede der produkte.
klar möchte die buchhaltung die eigenen brands auf der spesenquittung sehen. aber vielleicht zahlt man auch mal etwas aus eigener tasche, schliesslich muss man ja auch langfristig denken und einen angenehmen barbesuch muss man nicht grundsätzlich nur auf den dienstweg gestalten.
auf ein besseres miteinander.
sonst gilt in der tat, andere mütter haben auch schöne töchter!
termine machen und freundlich sein!
die charmanten herren und damen von der industrie-
den amüsantesten abend hatte ich mal mit den lokalen helden einer großen bekannten rummarke-
zuerst kamen sie ziemlich angeschossen spät in der nacht und dann noch dazu wurde der große herr gebietsleiter ausfällig über die wahl meiner produkte, -da scheint ihm wohl der neid im gesicht gestanden zu sein über das produktsortiment in meiner lounge,-
last not least konnte der herr dann später seine körpersäfte nicht mehr in sich speichern.-
kleine rache für dummes geschwätz und unverschämte völlig deplazierte kritik,- seit dieser erfahrung habe ich keinerlei kontakt mehr zu jeglichem vertreter irgendwelcher marke whatever,- gute produkte aus einem see von kröten zu fischen,-diese
fähigkeit sollte die industrie uns wohl noch zutrauen…
Perfekt…
am ätzesten finde ich die Gattung von Vertreten, die mit Vorliebe über die Konkorrenzprodukte herziehen und dann ein paar Monate später mit genau diesen Produkten vor dir stehen, weil es mal wieder eine Firmenfusion gab, dann kann ich richtig fies werden…
2.Teil…
und dann war da noch der Herr A.M. der vor 3 Wochen betrunken meine Bar betrat und sich erstmal wunderte, dass ich immer noch selber hinter dem Tresen arbeite…das läge wohl daran, dass es mir ja finaziell sehr schlecht gehen solle, so würde man in der Szene über mich berichten. Aber ich könne ja nun mal seine Produkte aufnehmen, das reicht ja gerade noch, bevor ich dann pleite gehe…ich blieb der ruhige, freundliche Barmann…meine Kellnerin an jenem Abend konnte nur schwer von der Ermordung von Herrn A.M. aus H. abgehalten werden…nachdem der mich als arrogantes Arschloch bezeichnete als ich mich weigerte seine Produkte besonders zu forcieren…
leider eine ware Geschichte…
Gut gebruellt Loewe!
“Leider” habe ich wohl hier in Dubai mit dem Gegenteil zu kaempfen: naemlich, dass es keine Auswahl gibt!
Trotzdem haben wir auch hier die Jungs von den Lieferanten - die machen zwar Termine; aber haben auch Ihre Eigenheiten: z.B. niemals ihr Wort zu halten!
hallo dominik,-
wenn du interesse hast dann kann ich dich mit der größten auswahl beliefern die du brauchst-
vorausgesetzt die mullahs machen keinen ärger bei ihrem zoll !
Hallo Uwe,
Habe nun mein gesammtes Adressbuch nach einem A.M. aus H. abgeglichen und niemanden gefunden… Scheint als müßte ich mal wieder zu Dir in die Bar kommen. Traurige Geschichte - wahrscheinlich kein Einzelfall.
schoen das sich auch hier Vertretungsangebote wiederfinden… ;-)
@Uwe
eine Schande…
solche Leute sofort dem Konzern nennen,
denn haeufig setzen diese zwar Vertreter unter Druck,
aber statten sie auch mit Benehmen aus.
Gut, das ich nicht bei dir arbeite,
bei mir waere der irgendwo verloren gegangen,
wahrscheinlich in der Kueche beim Muell.
aus eigener Erfahrung zu sprechen,
lange Zeit hatte ich viel Aerger mit den Jungs -
irgendwann habe ich mich dann von ihnen verabschiedet und das waere auch so geblieben,
haette ich nicht vor einem Jahr Matthias von Spirits Worldwide getroffen.
Er war der erste seit Ewigkeiten der richtig aufmerksam zuhoerte und verstand was ich brauche.
Der naechste dann war Tabu-Uwe,
ebenfalls ein absoluter Profi,
der weiss was relevant ist.
Inzwischen bin ich wieder offener,
aber solche Faelle wie Batman&Robin
oder bei Uwe lassen mich gruseln.
Hallo an alle - Joerg Dein Bericht ist so was von köstlich geschrieben und die Knigge Regeln sind voll auf den Punkt gebracht .
Ich empfehle eine Benimmschule für Vertreter aufzumachen, diese Schule hätte einiges zu tun!
Was Uwe schreibt, ist auch absolut amüsant … Vertreter der untersten Schublade.
[…] Möchte eine Firma ein Produkt über ihren Außendienst in der Szene lancieren, ist ein Grundrespekt der Arbeit des Bartenders gegenüber die Vorraussetzung dafür, Erfolg zu haben. Nach wie vor beweisen leider manche Firmen und sie betreuende Agenturen, dass sie den Bartender für einen Idioten halten, der froh sein muss, ihre Aufklärungsbroschüren und Produkte abzunehmen. Jörg Meyer hat dies in einem Beitrag im Barbaublog bereits amüsant geschildert. […]
[…] Meyer formuliert heute aus gegebenem Anlass etwas für den Barknigge seiner zukünftigen […]
[…] Ab und zu kommt es leider auch vor, dass ein Vertreter hier in unsere Blogbar hereinschneit und anfängt, den Gästen seine Flaschen vorzuführen. Ich bin immer wieder verwundert über die Chuzpe oder Ignoranz dieser sich als Gäste tarnenden Spezies. Wenn hier jemand Flaschen herumzeigt, sind das wir! Und wenn ein Kollege vorbeikommt und uns ein neues Produkt zeigt, freuen wir uns natürlich auch. Aber nicht irgendein dahergelaufener Importeur oder Fachhändler und schon gar nicht Batman und Robin. […]