Wein für Bartender II - Kritische Meinungen

Vor einigen Tagen habe ich mir erlaubt, eine Email an einige Wein- und Genußblogger zu senden.


Dazu benötige ich Ihre Hilfe - Erlauben Sie mir drei Fragen:

  1. Welches deutschsprachige Buch möchten Sie jedem Bartender ans Herz legen, um sich einen Mindest-Standard an Weinwissen anzueignen?
  2. Welchen deutschsprachigen Weinblogg/Webseite sollte jeder Bartender regelmäßig lesen, um beim Thema “Wein” auf dem laufenden zu sein?
  3. Kennen Sie eine Bar, in der das Thema „Wein“ gut bis sehr gut gehandhabt wird?
    Können Sie eine Bar bezüglich Wein empfehlen? Ist hochwertiger Weingenuss jenseits von Restaurantbar und Hotelbar überhaupt möglich?…”

Die Email habe ich u.a. an folgende Wein und Genuß Schreiber geschickt:

Weinschmecker, BerlinKitchen, Annidivini, Weinwahrheiten, AtterseeReblaus,

Weintagebuch, Port-Blog, Weinverkostungen, Hausmannskost, Kaul-Wein,

Beste-Bioweine, C+D Insider Wine Blog, Nikos Weinwelten

und dem bekannten Weinjournalisten Mario Scheuermann

Drei der Wein und Genussblogger haben bislang geantwortet:

Thomas Günther (Weinverkostungen.de) antwortet:
“Hallo Jörg,
deine Fragen kann ich nur vaage beantworten. Bis auf Frage 2. Das ist natürlich http://weinverkostungen.de/ . Das Thema Bar habe ich da noch nicht aufgegriffen. Es gibt einfach kaum viele gute Beispiele. Obwohl ich sehr gerne Wein trinke, habe ich Abstand davon genommen in Cafes oder Bars welchen zu trinken. Gerade in Gesellschaft ist mir die leider sehr häufig notwendige Beanstandung peinlich. Da gibt es oxidierte Weine oder welche mit sehr offensichlichen Kork- oder anderen Fehlern. Da ich mich jedoch meistens amüsieren will, wenn ich weggehe, fällt das mit dem Wein flach. Kategorisch!

Es gibt jedoch Möglichkeiten Wein glasweise zu verzehren. Zum einen ist es eine gehobenere Gastronomie (also nicht nur der Preise wegen, sondern des Verständnisses nach) mit Fachpersonale im Bereich Wein. Dann gibt es eine Weingastronomie, in der kaum etwas anderes getrunken wird als Wein. Eine dritte Möglichkeit sind Weinläden, die Flaschen frisch öffnen und wo man gegen ein Entgeld (ca. 1/4 des Flaschenpreises) 0,1l trinken kann (also frisch geöffnet! nicht begast oder so). Eine vierte Möglichkeit ist den Wein mitzubringen und ein Korkgeld zu entrichten (http://weinverkostungen.de/korkgeld/).

Michael F. Eichinger von Attersee Reblaus hat geantwortet:
“Zu 1.) Diese Beantwortung ist so einfach nicht. Als Weinliebhaber hat man natürlich seine Lieblingslektüre, aber es hängt doch sehr davon ab, wie intensiv sie das Thema verinnerlichen wollen. Eines vorweg: ein Buch a la „Dummies für Weintrinker“ gibt es nicht. Daher

schlage ich zwei Richtungen vor:
- Ausführlich, sachlich und kompetent: „Sotheby´s Enzyklopädie für Wein“ v. Tom Stevenson, 600 S
„Wein“ v. André Dominé, 928 S
- Kurz, informativ aber ohne Tiefgang: „Alles über Wein“ v. André Dominé, 128 S

Zu 2.) Wein-Plus , der Drinktank von Mario Scheuermann, Nikos Weinwelten und in Ö: Weintimes von Helmut Knall und hie und da meine Seite

Zu 3.) In meiner näheren Umgebung in Salzburg, kenne ich nur eine Bar die es „Wein“wert ist genannt zu werden: die Röhre. Meine einzigen positiven Weinerfahrungen in Bars sind einzig und allein auf diese Lokalität beschränkt, da ich in den anderen Betrieben entweder grober Ignoranz in Bezug auf Wein oder Dilettantentum gepaart mit Angeberei oder allem zusammen begegnet bin. In sehr vielen Bars mangelt es schon an der richtigen Lagerung bzw. Verwahrung nach dem Öffnen. Oxidierte oder verrauchte Kreszenzen sind die logische Folge.
Da sehe ich auch die größte Herausforderung für sie. Der Weinliebhaber ist sehr empfindsam in Bezug auf Gerüche und Geschmäcker…”

Ingo Bargatzky von Weinschreiber.de hat geantwortet:
“Hallo Herr Meyer,

Sie haben leider Recht! Das Thema Wein wird in großen Teilen der Gastronomieszene noch immer nicht ausreichend gewürdigt. Aber Ihre Idee, das Thema aufzugreifen, ist doch schon ein Schritt in die richtige Richtung! Daher drücke ich Ihnen die Daumen, dass Ihre Anregungen auch Gehör finden werden.

Doch nun zu Ihren Fragen:

1. Es gibt meiner Meinung nach nicht DAS EINE Weinbuch als Rundum-Glücklich-Paket. Aber mit einigen kleinen Ratgebern können Sie schon einiges dazulernen.

Da wäre zum einen “Riesling” von Christina Fischer und Ingo Swoboda. Fischer hat überdies auch “Weinwissen” geschrieben. Das Bar-Feeling erlebt man beim Lesen wohl am besten mit “Wine- Just a Drink” von Matt Skinner. Mit diesen drei Büchern sollte ein guter Einstieg ins Thema gelingen. Wer es ganz genaus mag, dem sei “Wein” von André Dominé wärmstens empfohlen. Das Buch ist nicht nur gut für’s Hanteltraining! Da steht auch alles drin, was man wissen muss/sollte/dürfte… Welche Weine es dann zu kaufen gilt, können wir Weinblogger ja dann in einer zweiten Fragerunde empfehlen. Denn das ist eine ziemlich dynamische Sache.

2. Den Weinschreiber natürlich ;-) Nein, ernsthaft, es ist wohl ratsam, sich nicht auf einen einzelnen Anbieter zu verlassen. Darüber hinaus gibt es auch noch Foren zum Thema Wein, in denen sich Weinliebhaber austauschen. Dort können Sie auch Ihre Fragen loswerden. Was zu beachten ist: Immer die Netiquette einhalten und offen sein. Nicht à la “mein Nachbar hat einen Freund, dessen Schwester will eine Bar aufmachen…” Die Links zu den Webseiten und den Foren finden Sie auf meiner Webseite www.weinschreiber.de

3. Ich wohne in Essen, also mitten im “Pott”. Hier gibt es natürlich eine Unmege an verschiedenen gastronomischen Angeboten - nur eine Bar mit guter Weinauswahl ist hier auch nicht zu finden. Allerdings haben wir mit dem Chat Noir und dem Weinhaus an der Ruhr zwei Adressen, die man als Weinbar definieren könnte. Nur gibt es dort keine Cocktails. Beides unter einem Dach ist mir noch nicht aufgefallen. Wenn Sie in Essen sind und einen Bildungsurlaub in Sachen Wein im Pott unternehmen wollen, sagen Sie einfach Bescheid. Ich helfe immer gerne weiter…”


Fazit:
Aus Sicht der “Weinblogger” steht es nicht gut um unseren Berufsstand. Das Thema Wein wird wie vermutet eher Stiefmütterlich behandelt und es scheint als wenn dieser “Zustand” in Fachkreisen auch durchaus bekannt ist. Der Bartender sollte dem Gast ein kompetender Berater in allen “Getränkefragen” sein. Beim Wein scheint es Nachholbedarf zu geben.

2 Antworten zu “ Wein für Bartender II - Kritische Meinungen ”

  1. Sir Snaxalot

    Hi,
    sehr gute Frage, sehr guter Schritt in die richtige Richtung. Wie alle drei Antworter schon bemerkten: Wein ist ein Sorgenkind ausserhlb der Weinlastigen Gastronomie. Die empfohlenen Bücher sind alle gut, das brauch ich nicht nochmal auflisten. Was ich persönlich schön finden würde wäre, wenn eine gewisse Thematik vorherrscht und man nicht versucht, möglichst viel abzudecken, sondern klar und deutlich Leitlinien setzt, z.B. Thema Riesling oder generell deutsche Weissweine. Nur als Beispiel. Man solte versuchen, sich nicht zu verzetteln und zu viel zu wollen. Denn: Es kommen immer Wein-Nerds, die meinen einen quizzen zu müssen. 3-7 gute Weine, von denen man überzeugt ist, die gute Qualität bieten, und dann ist das halt das Angebot. Bei Mc Donald’s gibts eben auch keine Pizza.
    Sehr gut bewährt hat sich in meinen Augen eine Stickstoffanlage, die die Weine länger und recht sicher vor Oxidation schützt. Unerlässlich ist die richtige Temperatur (Weiß nicht zu kalt und rot nicht zu warm). Als drittes möchte ich auf biodynamisch erzeugte Weine verweisen. Die sind viel stabiler als Reinzuchtware, d.h. auch ohne Stickstoff sind sie und ein mehrfaches länger halbar ohne zu oxidieren, manche gewinnen sogar noch, je länger sie auf sind. Ich habe neulich einen biodynamischen Veltliner getrunken, der mehr als 12 Tage offen stand, und er war immer noch tadellos.
    0,2 Ausschank ist einerseits gut für den Wirt, dennach 3,5 Gläsern ist die Flasche leer. o,1 ist schöner für den Gat, denn der Wein wird nicht so schnell warm wie 0,2. Man hatdie Möglichkeit, mehr zu probieren. Ich finde den Tasting Gedanken eigentlich sehr schön. Zum einen, um sich selbst näher an das Thema zu führen, aber auch für die Gäste.
    Hope that helps.

  2. joerg

    Sir Snaxalot,
    Danke für den guten Kommentar. 0,1 wird es auf jeden Fall geben. Wegen der Stickstoffsache recherchiere ich gerade… folgt in kürze

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